Bundesregierung lockert Gebäudeenergiegesetz – Klimaziele in Gefahr

Stilla Sager
Stilla Sager
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Ein Kreisdiagramm, das den globalen erneuerbaren Energieverbrauch im Jahr 2008 zeigt, unterteilt in Abschnitte für fossile Brennstoffe, Kernenergie, Wasserkraft, Warmwasser, Heizung, Biomasse, Solarenergie, Geothermie und Biokraftstoffe, mit begleitendem Text.Stilla Sager

Minister warnt vor Folgen gelockerter Heizungsvorschriften - Bundesregierung lockert Gebäudeenergiegesetz – Klimaziele in Gefahr

Die deutsche Bundesregierung hat zentrale Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes gelockert – und erntet dafür scharfe Kritik von Klimaschützern. Die überarbeitete Regelung, die 2026 in Kraft treten soll, verschiebt strengere Vorgaben für erneuerbare Heizsysteme auf 2028 und erlaubt weiterhin den Einbau von Öl- und Gasheizungen. Während Gegner die Änderungen als Rückschritt für die Klimaziele brandmarken, betonen Befürworter, sie schützten die Bezahlbarkeit und Verbraucherfreiheit.

Laut dem neuen Plan entfällt ab Januar 2026 vorerst die Pflicht, dass neu installierte Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Stattdessen werden die verschärften Auflagen erst 2028 verbindlich – mit Fokus auf Förderanreize für Hybridsysteme, Gebäudesanierungen und eine wasserstofftaugliche Infrastruktur. Das Umweltbundesamt schätzt, dass sich durch die Verzögerung die geplante Zahl an Wärmepumpen bis 2030 um etwa 30 Prozent verringert – von 1,5 Millionen auf eine Million Geräte. Damit gerät das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis Ende des Jahrzehnts um 65 Prozent zu senken, in Gefahr.

Katrin Eder, Energie- und Klimaschutzministerin von Rheinland-Pfalz, nannte die Novelle einen "großen klimapolitischen Fehler". Sie warnte, der Wegfall der Erneuerbaren-Pflicht schaffe Planungsunsicherheit für Handwerker, Hauseigentümer und Investoren – mit Risiken für Arbeitsplätze und langfristige Strategien. Besonders Mieter in Mehrfamilienhäusern könnten nun durch gasabhängige Systeme höhere Kosten tragen, gab Eder zu bedenken.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verteidigte die Änderungen und betonte, das Gesetz solle Bürgern mehr Flexibilität beim Heizungstausch bieten. CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder unterstützte diese Linie und argumentierte, Klimaschutz müsse auf Akzeptanz, Technologieoffenheit und Bezahlbarkeit setzen. Schnieder kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs strengere Landesklimavorgaben zurücknehmen zu wollen – "ohne zusätzliche Belastungen für Eigentümer oder Wirtschaft".

Laut Koalitionsvereinbarung bleiben Neuanlagen von Öl- und Gasheizungen weiterhin zulässig, während es bis zu 60.000 Euro Förderung pro Haushalt für energetische Sanierungen gibt. Auch der Ausbau der Netze für Wasserstoff-Beimischungen wird im überarbeiteten Plan unterstützt.

Die gelockerten Regeln verschieben den Zeitplan für die Wärmewende in Deutschland: Kurzfristig sinkt der Druck auf Haushalte, doch der Klimafortschritt könnte sich verzögern. Ob die 2030er-Klimaziele noch erreichbar sind, hängt nun davon ab, ob die Förderungen für Hybridsysteme und Sanierungen die Lücke schließen können, die durch weniger Wärmepumpen entsteht. Mieter und Handwerker spüren die Auswirkungen der neuen Rahmenbedingungen als Erste – während sich der Markt an die geänderten Vorgaben anpasst.

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