"Debritz" am Badischen Staatstheater: Ein Dorf zwischen Verzweiflung und schwarzem Humor
Antonio Klotz"Debritz" am Badischen Staatstheater: Ein Dorf zwischen Verzweiflung und schwarzem Humor
Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat ein neues Drama über das fiktive Dorf Debritz Premiere gefeiert. Das Stück, verfasst von Kaleb Erdmann, thematisiert die Kämpfe eines schrumpfenden Dorfes in Ostdeutschland und entwirft ein Mikrokosmos gesellschaftlicher Herausforderungen in strukturschwachen Regionen.
Debritz, einst ein blühendes Zentrum des Salzbergbaus, ist durch Klimawandel und wirtschaftliche Vernachlässigung zur Ödnis geworden. Das Dorf leidet unter Ernteausfällen, einer schrumpfenden Bevölkerung sowie dem Fehlen von Industrie und öffentlichem Nahverkehr – Probleme, die den Hintergrund von Erdmanns Erzählung bilden.
Im Mittelpunkt des Stücks stehen Peggy, eine Zuckerrübenbäuerin, und ihr Freund Maik, die einzigen voll ausgearbeiteten Figuren. Ihre gegensätzlichen Sehnsüchte – wegzugehen oder zu bleiben – treiben die Handlung voran. Das Drama versammelt zudem ein vielschichtiges Ensemble, darunter einen Bürgermeister, Fabrikarbeiter und eine wohlhabende Touristin, das ein breites gesellschaftliches Panorama entwirft.
Regisseurin Brit Bartkowiak verleiht der Inszenierung einen komischen und popkulturellen Touch. Humorvolle Szenen, etwa der Auftritt von „Candy der Kerze“ oder Online-Dating-Episoden, lockern die Stimmung auf. Im letzten Akt nimmt das Stück eine farcenhafte Wendung, als Peggy und Maik die Siedlung in die Luft jagen – eine Andeutung einer postapokalyptischen Zukunft. Die spielfreudige Ensembleleistung gleicht dabei einige Schwächen des Stücks in emotionaler und intellektueller Tiefe aus.
Das Drama endet mit der zugleich dramatischen und komischen Zerstörung Debritz’ und hinterlässt beim Publikum eine klare Botschaft: die Notwendigkeit, sich den gegenwärtigen Problemen zu stellen. Die Produktion unterstreicht die Dringlichkeit, dem ländlichen Niedergang und dem Umweltwandel zu begegnen.
