"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim wohl nichts mit der Pest zu tun hat
Antonio Klotz"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim wohl nichts mit der Pest zu tun hat
Das Kinderreimchen „Ringel, Ringel, Reihe“ wird oft mit der Großen Pest von London im Jahr 1665 in Verbindung gebracht. Doch gibt es keinen stichhaltigen Beweis für diese These. Die Theorie besagt, dass die Liedzeilen Pest-Symptome und den Tod beschreiben, doch ihre Richtigkeit bleibt umstritten.
Die Idee, der Reim beziehe sich auf die Pest, tauchte erstmals 1961 auf – lange nach der frühesten bekannten gedruckten Version von 1881. Diese späte Verknüpfung wirft Zweifel an den historischen Wurzeln auf. Befürworter der Theorie argumentieren, „Rosen“ stünden für Pest-Pusteln, „Täschchen“ seien Kräuter gewesen, die gegen die Krankheit schützen sollten, „Hatschi“ ahme das Niesen nach und „alle fallen um“ symbolisiere den Tod.
Doch es gibt Widersprüche zwischen den verschiedenen Fassungen des Reims und der Pest-Theorie. Viele Varianten des Liedes enthalten keine düsteren Anspielungen, was die Verbindung fragwürdig macht. Eine plausiblere Erklärung ist, dass es ursprünglich ein Kinderspielgesang aus dem Deutschland des 18. Jahrhunderts war. Andere vermuten, es habe sich um ein „Play-Party“-Spiel für Jugendliche gehandelt, das im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert religiöse Tanzverbote umging.
Die vagen Liedtexte haben im Laufe der Zeit zu zahlreichen Deutungen geführt. Die vielen Versionen erschweren es zusätzlich, den wahren Ursprung oder die Bedeutung des Reims zu rekonstruieren. Die erste gedruckte Erwähnung von 1881 stellt zudem die Behauptung einer jahrhundertealten mündlichen Überlieferung infrage. Zwar hält sich die Pest-Theorie hartnäckig, doch favorisieren Historiker schlichtere Erklärungen: Wahrscheinlich begann das Lied als harmloses Kinderspiel, dessen Bedeutung erst durch spätere Interpretationen geprägt wurde.






