07 April 2026, 14:43

Junge Aktivist:innen aus Halle schaffen Gedenktafel für 155 jüdische NS-Opfer

Schrott für die Erinnerung: Teenager finanzieren Gedenktafel für die 155 in Halle ermordeten Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Sobibor

Junge Aktivist:innen aus Halle schaffen Gedenktafel für 155 jüdische NS-Opfer

Eine Gruppe junger Aktivist:innen aus Halle hat Spenden für eine Gedenktafel gesammelt, die an 155 jüdische Opfer aus ihrer Stadt erinnern soll. Diese Männer, Frauen und Kinder waren während der Schoa in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet worden. Das Projekt mit dem Titel "Tagebuch der Gefühle" verbindet junge Menschen mit den Schicksalen der Verstorbenen.

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Die Tafel wird ein Bild zweier Hände zeigen, die zueinander greifen. Es symbolisiert Chana Baer, das jüngste bekannte Opfer aus Halle – ein 16 Monate altes Kind –, sowie die Familien, die einander in ausweglosen Situationen zu stützen versuchten.

Die Initiative begann damit, dass Jugendliche vor Ort Schrott sammelten und Spendenaktionen organisierten. Mit dem gesammelten Geld werden die Herstellung und die Anbringung der Steintafel finanziert. Ein Hallescher Steinmetz fertigt das Denkmal an, das im Gedenkbereich des ehemaligen Lagers Sobibor aufgestellt wird.

Das Design entstand in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Comic-Künstler Nils Oskamp, der vor allem durch seinen Graphic Novel "Drei Steine" bekannt ist. Seine Werke setzen sich häufig mit den Themen Erinnerung und Holocaust auseinander. Die Gedenktafel selbst wird als dauerhafte Mahnung an die 155 Menschen aus Halle dienen, denen das Leben genommen wurde.

Im Rahmen des "Tagebuchs der Gefühle" haben die jungen Teilnehmer:innen persönliche Reflexionen über die Biografien der Opfer verfasst. Ihre Beiträge bilden eine Sammlung von Texten, die die Geschichten der Vergangenheit wachhalten. Die Gruppe plant zudem, im Juni 2026 nach Sobibor zu reisen, um die fertige Tafel zu sehen und sich vor Ort mit der Geschichte des Lagers zu beschäftigen.

Die Organisator:innen betonen, dass das Ziel des Projekts klar ist: die Stimmen der Opfer dürfen niemals in Vergessenheit geraten. Indem sie sich direkt mit den Schicksalen jüdischer Familien auseinandersetzen, wollen die Aktivist:innen eine bleibende Verbindung zwischen der heutigen Generation und der Vergangenheit schaffen.

Die Tafel wird als Gedenkzeichen für die 155 Opfer aus Halle stehen, die in Sobibor ermordet wurden. Ihre Namen und Geschichten erhalten nun einen sichtbaren Ort an dem Ort, an dem sie ihr Leben verloren. Die jungen Aktivist:innen hinter dem Projekt haben bereits mit den Vorbereitungen für ihren Besuch des Lagers begonnen – dort werden sie die Ergebnisse ihrer Arbeit selbst erleben.

Quelle