Chemie- und Pharmabranche einigt sich auf Tarifvertrag mit Lohnerhöhungen ab 2027
Bernd-Dieter RingChemie- und Pharmabranche einigt sich auf Tarifvertrag mit Lohnerhöhungen ab 2027
Tarifabschluss für die deutsche Chemie- und Pharmabranche: Löhne steigen ab 2027
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie hat einen neuen Tarifvertrag für 585.000 Beschäftigte ausgehandelt. Die Einigung zwischen der Gewerkschaft IG BCE und dem Arbeitgeberverband BAVC sieht Lohnerhöhungen von 2,1 Prozent zu Beginn 2027 und weitere 2,4 Prozent im Jahr 2028 vor. Für den Rest des Jahres 2026 bleiben die Gehälter hingegen unverändert, da die Branche mit steigenden Kosten und schwacher Nachfrage kämpft.
Die mit einem Jahresumsatz von 220 Milliarden Euro drittgrößte Industrie Deutschlands steht seit Jahren unter wachsendem Druck. Explodierende Energiepreise – ausgelöst durch geopolitische Konflikte wie Russlands Invasion der Ukraine 2022 und Spannungen im Nahen Osten – haben die Produktionskosten in die Höhe getrieben. Höhere Ausgaben für Energie, Transport und Rohstoffe drücken die Gewinnmargen und schwächen die globale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen.
Hinzu kommen US-Zölle, eine lahme Nachfrage und weltweite Überkapazitäten. Konzerne wie BASF und Evonik reagieren mit Sparprogrammen, zu denen auch Stellenabbau gehört. Um Arbeitsplätze zu sichern, zahlen die Arbeitgeber 2026 und 2027 jährlich 300 Euro pro Beschäftigtem in einen Beschäftigungssicherungsfonds ein. Das Volumen des Fonds beläuft sich über zwei Jahre auf rund 350 Millionen Euro und soll Standortsicherung, Umschulungen und Arbeitszeitverkürzungen finanzieren.
Die IG BCE bezeichnete den Abschluss als "richtungsweisende Maßnahme" für die Branche. Der Tarifvertrag gilt bis Mai 2028 und bietet damit eine gewisse Planungssicherheit in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.
Die Lohnerhöhungen treten im Januar 2027 und Januar 2028 in Kraft, nachdem die Gehälter 2026 weitgehend eingefroren bleiben. Der Beschäftigungssicherungsfonds soll die Belegschaften schützen, während sich die Branche an höhere Kosten und veränderte Marktbedingungen anpasst. Die Vereinbarung betrifft einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands und bietet kurzfristige Entlastung, während sie gleichzeitig langfristige Herausforderungen angeht.






