Bundeswehr hält Rüstungs-Chats geheim – trotz Milliarden-Deals ohne Ausschreibung
Bert HenschelBundeswehr hält Rüstungs-Chats geheim – trotz Milliarden-Deals ohne Ausschreibung
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) verweigert die Herausgabe von Chat-Protokollen zwischen seinen Beamten und Führungskräften der Rüstungsindustrie. Diese Entscheidung folgt auf einen Antrag auf Informationsfreiheit, den das Rechercheportal CORRECTIV im Januar gestellt hatte. Das Ministerium begründete die Zurückhaltung der Unterlagen mit militärischen Sicherheitsbedenken.
Der Streit eskaliert zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung die Verteidigungsausgaben für 2025 von der deutschen Schuldenbremse ausnimmt und damit nahezu unbegrenzte Rüstungskäufe ermöglicht. Bereits wurden über 40 Aufträge ohne Ausschreibungsverfahren im Wert von mehr als 64 Milliarden Euro vergeben – was Fragen zur Transparenz bei der Beschaffung aufwirft.
CORRECTIV legte gegen die Weigerung des Ministeriums formellen Widerspruch ein und fordert eine teilweise Offenlegung der Dokumente. Das BMVg bestätigte zwar das Vorhandensein der angefragten Korrespondenz, argumentierte jedoch, dass eine Veröffentlichung sensible Details zu Fähigkeiten, Planung und Strategien der Bundeswehr preisgeben könnte.
Zudem berief sich das Ministerium auf das Exekutivprivileg und betonte, dass der geschützte Austausch mit Dritten gewahrt bleiben müsse. Einige der ohne Ausschreibung vergebenen Aufträge gingen an Unternehmen, die an vorherigen Testphasen nicht teilgenommen hatten – was die Bedenken hinsichtlich der Fairness im Vergabeverfahren weiter schürt.
Die Kontroverse ist Teil einer breiteren Prüfung der militärischen Aufrüstung Deutschlands und der Geschäfte mit der Rüstungsindustrie. Anfang dieses Jahres vereinfachte die Regierung die Regeln für Direktvergaben, sodass das Verteidigungsministerium Wettbewerbsverfahren umgehen kann. Diese Änderung führte zu einem deutlichen Anstieg von Aufträgen ohne öffentliche Ausschreibung, die insgesamt über 64 Milliarden Euro umfassen.
CORRECTIVs Anfrage ist Teil laufender Untersuchungen dazu, wie diese Verträge vergeben wurden und ob eine angemessene Kontrolle stattfand. Das Ministerium hält bisher an seiner Entscheidung fest und besteht darauf, dass die nationale Sicherheit Vorrang vor der öffentlichen Transparenz habe.
Die Weigerung, die Chat-Protokolle freizugeben, lässt zentrale Fragen zur Vergabe der Rüstungsaufträge unbeantwortet. Angesichts von Milliardenausgaben für Aufträge ohne Wettbewerbsverfahren und der Aussetzung der Schuldenbremse könnte das Fehlen an Transparenz das öffentliche Vertrauen in die militärische Beschaffung erschüttern.
CORRECTIVs rechtliche Schritte könnten weitere Offenlegungen erzwingen, doch vorerst bleibt die Haltung des Ministeriums unverändert.






