30 March 2026, 08:27

Wie ARD und ZDF mit persönlichen Reportagen junge Zuschauer gewinnen wollen – und scheitern

Titelseite der deutschen Zeitung "Weitpreubliche Zeitung" vom 13. November 1939, die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung zeigt.

Wie ARD und ZDF mit persönlichen Reportagen junge Zuschauer gewinnen wollen – und scheitern

Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF setzen auf neue Erzählformen, um jüngere Zuschauer zu gewinnen. Immer stärker rücken persönliche, emotional aufgeladene Reportagen in den Vordergrund, in denen die Reporter:innen selbst zur Hauptfigur werden. Damit entfernen sich die Sender von klassischen journalistischen Grundsätzen wie Objektivität und Neutralität.

Das Ziel: Nachrichten sollen authentischer und nahbarer wirken. Doch erste Anzeichen deuten darauf hin, dass gerade junge Zielgruppen wenig Gefallen an diesem "Ich-zentrierten" Stil finden – die langfristige Wirkung bleibt fraglich.

Formate wie VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front oder PULS Reportage setzen auf subjektive Perspektiven statt auf distanzierte Berichterstattung. Zwar kann dies eine stärkere emotionale Bindung schaffen, doch droht dabei das eigentliche Thema in den Hintergrund zu geraten. Kritiker monieren, dass sich die Sendungen inhaltlich wiederholen, tiefgründige Recherchen vermissen lassen und kaum ein eigenes Profil entwickeln.

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Die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild: Erfolgsformate wie Terra X (inklusive Terra Xplore und integrierten funk-Inhalten) verzeichnen starke Zuwächse – die Abrufe in der Mediathek stiegen von 6,34 Millionen (2010) auf über 30 Millionen (2023). Auf YouTube wurden 2023 über 175 Millionen Aufrufe gezählt, im linearen Fernsehen lag die durchschnittliche Reichweite bei 3,55 Millionen. Dagegen kämpfen neuere Reportageformate, etwa von Thilo Mischke, mit schwachen Quoten. Traditionelle Sendungen wie hallo deutschland erreichen zwar weiterhin ältere Zuschauer (1,76–1,86 Millionen), scheitern aber bei jungen Zielgruppen (5,5–6,7 %).

Hintergrund ist der allgemeine Rückgang des klassischen Linearen Fernsehens zugunsten von Streaming und einer zersplitterten Mediennutzung. Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen vor der Herausforderung, persönliches Storytelling mit fundiertem Journalismus zu verbinden, um relevant zu bleiben.

Der Trend zur ich-betonten Reportage scheint unumkehrbar – doch der Erfolg hängt von der richtigen Themenwahl ab. Während Formate wie Terra X florieren, tun sich andere schwer, junge Zuschauer zu begeistern, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Die Zukunft wird vermutlich darin liegen, Authentizität mit solider Recherche zu verbinden, um Glaubwürdigkeit und Zuschauervertrauen zu bewahren.

Quelle