07 June 2026, 08:23

Reformpläne: Soll Organspende in Deutschland bald automatisch gelten?

Berliner haben bisher dieses Jahr mehr Organe gespendet

Reformpläne: Soll Organspende in Deutschland bald automatisch gelten?

Eine Gruppe von Abgeordneten verschiedener Parteien fordert eine grundlegende Reform des deutschen Organspenderechts. Bis 2030 soll ein Widerspruchslösungssystem eingeführt werden, bei dem alle Erwachsenen automatisch als potenzielle Spender gelten – es sei denn, sie erklären ausdrücklich ihren Widerspruch. Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der die Nachfrage nach Transplantationen weiterhin das Angebot übersteigt.

Aktuell gilt in Deutschland die Regelung, dass eine Organspende nur mit ausdrücklicher Zustimmung möglich ist – entweder durch eine persönliche Registrierung oder die Einwilligung der Angehörigen. Nach dem neuen Plan würden jedoch alle volljährigen, einwilligungsfähigen Personen als spendebereit gelten, sofern sie nicht aktiv widersprechen.

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Der Reformdruck wächst, nachdem die Zahl der Organspenden in diesem Jahr gestiegen ist. Bis Ende Mai 2026 wurden bundesweit 1.405 Organe gespendet – ein Anstieg von etwa 12 Prozent im Vergleich zu 1.253 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Berlin wurden in den ersten fünf Monaten 2026 insgesamt 73 Spenderorgane erfasst, fast doppelt so viele wie die 39 von Januar bis Mai 2025.

Trotz des Zuwachses bleibt die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage groß. 2025 erhielten nur 3.150 Menschen ein Transplantat, während rund 8.200 auf Wartelisten blieben. Allein in Berlin warten über 400 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan; bis Ende Mai 2026 wurden in der Stadt knapp 140 Transplantationen durchgeführt.

Sollte das Widerspruchsmodell umgesetzt werden, wäre dies ein bedeutender Wandel in der deutschen Organspendepolitik. Ziel der Reform ist es, die Spenderzahlen zu erhöhen und die Wartezeiten für lebensrettende Transplantationen zu verkürzen. Die Abgeordneten werden den Vorschlag nun im Vorfeld des Zieltermins 2030 beraten.

Quelle