Möbelbranche in der Krise: Warum Hettich-Mitarbeiter auf Gehaltserhöhungen verzichten
Stilla SagerMöbelbranche in der Krise: Warum Hettich-Mitarbeiter auf Gehaltserhöhungen verzichten
Deutschlands Möbelindustrie kämpft seit fünf Jahren mit Rückgängen
Seit fünf Jahren steckt die deutsche Möbelbranche in der Krise: Die Produktion ist um bis zu 20 Prozent eingebrochen, und die Zahl der Insolvenzen steigt. Hohe Energiekosten, Inflation und eine schwache Nachfrage setzen die Unternehmen stark unter Druck. Nun hat der Möbelzulieferer Hettich seine Mitarbeiter gebeten, eine geplante Gehaltserhöhung zu verschieben, um Kosten zu sparen – die meisten stimmten dem Vorhaben zu.
Das finanziell angeschlagene Unternehmen schlug vor, die für den 1. April vorgesehene Lohnerhöhung von 3,1 Prozent um ein Jahr aufzuschieben. Die Erhöhung war Teil eines Tarifvertrags mit der Gewerkschaft IG Metall. Stattdessen bat Hettich rund 2.000 Beschäftigte, auf den Anstieg vorerst zu verzichten, was dem Unternehmen mehrere Millionen Euro spart.
Mindestens 90 Prozent der Belegschaft willigten ein – für jeden Mitarbeiter bedeutet das einen Verzicht von über 1.000 Euro im kommenden Jahr. Hettich betonte, man habe transparent kommuniziert und den Angestellten eine freie Entscheidung ermöglicht. Die IG Metall kritisierte den Schritt jedoch scharf und warf dem Unternehmen vor, die Beschäftigten unzumutbar unter Druck zu setzen.
Die Probleme der Branche haben sich seit 2021 verschärft: Die Umsätze stagnieren, die Rohstoffpreise schnellen in die Höhe, und die Exporte gehen zurück. Allein die Holzpreise stiegen um 30 Prozent, der Fachkräftemangel hält an, und die Nachfrage schwächelt sowohl im In- als auch im Ausland. Der Ukraine-Krieg trieb zudem die Energiekosten weiter in die Höhe und belastet Unternehmen wie Hettich zusätzlich.
Der Lohnverzicht hilft Hettich, in der schwierigen Phase Kosten zu senken. Da die Mehrheit der Mitarbeiter dem Aufschub zustimmte, sichert sich das Unternehmen kurzfristig dringend benötigte Einsparungen. Die Entscheidung unterstreicht jedoch auch die größeren Herausforderungen, vor denen die deutschen Möbelhersteller stehen: Sie müssen sich in einem Umfeld behaupten, das von Inflation, schwacher Nachfrage und globalem Wettbewerb geprägt ist.






