Interne Machtkämpfe bei der Berliner Zeitung: Streit um AfD-Nähe und Russland-Haltung eskaliert
Antonio KlotzInterne Machtkämpfe bei der Berliner Zeitung: Streit um AfD-Nähe und Russland-Haltung eskaliert
Bei der Berliner Zeitung ist ein Streit ausgebrochen, nachdem Franz Sommerfeld, ein hochrangiger Mitarbeiter, die politische Ausrichtung der Zeitung scharf kritisiert hatte. Er warf dem Blatt vor, der rechtsextremen AfD Vorschub zu leisten und eine zu verständnisvolle Haltung gegenüber der russischen Politik einzunehmen. Die Auseinandersetzung spitzte sich zu, als der Verleger Holger Friedrich reagierte – ohne Sommerfeld jedoch als Urheber der Kritik zu nennen.
Der Konflikt fällt zusammen mit dem Abschied von Anja Reich-Osang, der leitenden Reporterin der Zeitung, die nach drei Jahrzehnten das Haus verlässt.
Sommerfelds Vorwürfe richteten sich gegen die redaktionelle Linie der Berliner Zeitung. Er behauptete, die Zeitung trage zur wachsenden Einflussnahme der AfD bei und zeige ein zu nachsichtiges Verständnis für die Politik der russischen Regierung.
Verleger Holger Friedrich konterte in einem persönlichen Artikel und verteidigte die Position des Blattes. Dabei verschwieg er jedoch, dass Sommerfelds Äußerungen der Auslöser gewesen waren. Später sah sich Friedrich mit Kritik konfrontiert, weil er aus einer eigentlich routinemäßigen Personalangelegenheit eine öffentliche Kontroverse gemacht habe.
Friedrich blieb bei seiner Stellungnahme und betonte, er werde seinen Text nicht ändern. Im Gegenteil: Er deutete an, die Reaktion hätte noch schärfer ausfallen können. Kritiker – darunter auch Friedrich selbst – warfen dem ursprünglichen Artikel vor, die Angelegenheit unnötig dramatisiert und Sommerfelds Vorwürfe unkritisch übernommen zu haben.
Die Debatte fällt in eine Phase des Umbruchs bei der Berliner Zeitung, die durch den Abgang der langjährigen Reporterin Anja Reich-Osang noch verstärkt wird. Nun stellt sich die Frage nach der ausbalancierten Berichterstattung und der internen Transparenz des Blattes. Friedrichs Entscheidung, Sommerfelds Namen in seiner Erwiderung auszusparen, sorgt für zusätzliche Irritation. Gleichzeitig markiert der Verlust einer so erfahrenen Journalistin einen deutlichen Einschnitt. Der Streit offenbart die Spannungen um die politische Haltung und die journalistischen Standards der Zeitung.






