Chefket-Konzert in Berlin nach Antisemitismus-Vorwürfen abgesagt
Bernd-Dieter RingAntisemiten vs. Zionazis: Warum Jan Böhmermanns Misserfolg spektakulär war - Chefket-Konzert in Berlin nach Antisemitismus-Vorwürfen abgesagt
Ein geplantes Konzert des deutschen Rappers Chefket im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) wurde nach Vorwürfen des Antisemitismus abgesagt. Die Veranstaltung war Teil der von Jan Böhmermann kuratierten Reihe Die Möglichkeit der Irrationalität. Druck von Kritikern, darunter Kulturminister Wolfram Weimer, führte nach Debatten über öffentliche Äußerungen und Bildsprache des Künstlers zur Absage.
Chefket sollte am 7. Oktober im Rahmen von Böhmermanns Reihe auftreten. Die Absage erfolgte, nachdem Medienberichte, unter anderem von der Bild, den Rapper als Träger "extrem antiisraelischer Motive" beschrieben hatten. Claudius Seidl von der Süddeutschen Zeitung warf Chefket vor, Israels Existenzrecht abzulehnen – öffentliche Belege für antisemitische Inhalte in seiner Musik oder seinen Aussagen gibt es jedoch nicht.
Kulturminister Wolfram Weimer verurteilte das geplante Konzert als Provokation und betonte, Antisemitismus dürfe nicht toleriert werden. Böhmermann, der zunehmend in die Kritik geriet, sagte die Einladung an Chefket schließlich ab. Der Kurator räumte später ein, sein Versuch, eine respektvolle Diskussion über komplexe Themen zu fördern, sei gescheitert.
Auch andere Künstler, die für die Reihe vorgesehen waren, zogen ihre Teilnahme zurück. Sie begründeten dies mit Unbehagen angesichts der Lage in Gaza und der Art und Weise, wie das HKW mit dem Konflikt umgehe. Chefket selbst hat sich bisher nicht öffentlich zu der Kontroverse um seine Instagram-Posts geäußert, auf denen T-Shirts mit einer Darstellung der israelisch-palästinensischen Region ohne Markierung Israels zu sehen waren.
Der Streit um die Absage Chefkets offenbart die tiefen Gräben in der öffentlichen Debatte über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Da mehrere Künstler ihre Teilnahme zurückzogen und keine Lösung in Sicht ist, steht die Veranstaltungsserie nun vor einer ungewissen Zukunft. Der Vorfall zeigt, wie polarisierte Diskussionen selbst gut gemeinte Versuche eines konstruktiven Dialogs untergraben können.