BP kämpft mit Umstrukturierung und steigenden Ölpreisen – doch die Aktie bleibt riskant
Bert HenschelBP kämpft mit Umstrukturierung und steigenden Ölpreisen – doch die Aktie bleibt riskant
BP beschleunigt interne Umstrukturierung – Ölpreise steigen
Der britische Energiekonzern BP treibt seine interne Umstrukturierung voran, während die Ölpreise klettern. Das Unternehmen sieht sich mit einer Mischung aus Herausforderungen konfrontiert – von sinkender Marktbewertung bis hin zu geopolitischen Spannungen. Zu den jüngsten Maßnahmen gehören der Verkauf von Vermögenswerten und Kostensenkungen, um die finanzielle Zukunft zu sichern.
Trotz dieser Bemühungen bleiben Analysten zurückhaltend, was die Aktienperformance des Energieriesen angeht – selbst nachdem die Papiere in diesem Jahr um über 27 Prozent zulegten.
Die Umstrukturierung bei BP begann Anfang 2023, als Konzernchef Murray Auchincloss einen umfassenden Transformationsplan vorstellte. Seither ist der Marktwert des Unternehmens von rund 95 Milliarden US-Dollar Ende 2022 auf etwa 85 bis 90 Milliarden US-Dollar bis März 2026 gesunken. Zu den Gründen zählen der Rückgang der Ölpreise seit 2024, hohe Anfangsinvestitionen in erneuerbare Energien sowie anhaltende geopolitische Konflikte wie der Ukraine-Krieg und Spannungen im Nahen Osten. Zudem belasten schwächere Raffineriegewinne die Finanzlage des Konzerns.
Um die Bilanz zu stärken, hat BP sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 angehoben. Gleichzeitig treibt das Unternehmen sein Desinvestitionsprogramm im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar voran, wovon bereits über 11 Milliarden US-Dollar gesichert wurden. Ein zentraler Verkauf betrifft die Raffinerie in Gelsenkirchen, die jährlich 12 Millionen Tonnen verarbeitet. Die Transaktion mit der Klesch Group umfasst die Übernahme von rund 1.800 Mitarbeitern und könnte BP von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten entlasten. Nach dieser Ankündigung stufte die HSBC die BP-Aktie von "Reduce" auf "Hold" hoch.
Unterdessen haben sich die Lieferkettenprobleme durch Blockaden in der Straße von Hormus verschärft, was den Preis für Brent-Rohöl auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel trieb. Als Reaktion darauf erließ die US-Regierung eine 60-tägige Ausnahme vom Jones Act, die es ausländischen Schiffen erlaubt, Waren zwischen US-Häfen zu transportieren. BP hatte zudem mit Arbeitskonflikten zu kämpfen: Rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte der Whiting-Raffinerie in Indiana wurden nach gescheiterten Tarifverhandlungen ausgesperrt. Die Unternehmensführung betonte jedoch, dass die Produktion voraussichtlich keine größeren Beeinträchtigungen erleiden werde.
Die Restrukturierungsmaßnahmen von BP fallen in eine Phase hoher Ölpreise und sich wandelnder Energienachfrage. Durch Vermögensverkäufe und Kostensenkungen will der Konzern seine finanzielle Position stabilisieren. Dennoch bleiben Analysten verhalten und setzen das durchschnittliche Kursziel für die Aktie bei 38,28 US-Dollar an. Angesichts anhaltender geopolitischer Risiken und operativer Herausforderungen werden BPs nächste Schritte mit Spannung erwartet.






