14 March 2026, 00:26

Berliner Kulturkrise: Warum das HKW nach Chefket-Boykott am Abgrund steht

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, Deutschland, die das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, mit Text unten.

Berliner Kulturkrise: Warum das HKW nach Chefket-Boykott am Abgrund steht

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steckt in einer eskalierenden Krise, nachdem eine Reihe von Kontroversen das renommierte Institut erschüttert haben. Die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket löste einen flächendeckenden Boykott deutscher Künstler aus. Die unter der Leitung des kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung stehende Einrichtung sieht sich nun im Zentrum einer Debatte über künstlerische Freiheit und politische Einflussnahme.

Auslöser der Turbulenzen war die Streichung von Chefkets Auftritt im HKW. Der vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannte Künstler aus Schwaben sollte eigentlich im Haus auftreten, doch Kultusminister Wolfram Weimer setzte die Veranstalter unter Druck, das Konzert abzusagen. Begründet wurde dies mit dem geplanten Termin – er fiel auf den Jahrestag eines Hamas-Angriffs auf Israel – sowie mit Chefkets Tragen eines "Palästina"-T-Shirts, das Israel in arabischer Kalligrafie überlagert darstellte.

Als Reaktion sagten sämtliche anderen deutschen Künstler, die im HKW gebucht waren, ihre Auftritte aus Solidarität ab. Der Boykott vertiefte die Isolation der Institution, die selbst von Bundespolitikern ignoriert wird – obwohl sie nur wenige Schritte vom Bundeskanzleramt entfernt liegt. Unterdessen kündigte TV-Satiriker Jan Böhmermann eine Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit des Unvernunft" an, um auf die Missstände im HKW aufmerksam zu machen.

Ndikungs Führung – die erste eines rein postmigrantischen Teams an der Spitze einer großen deutschen Kultureinrichtung – steht ebenfalls in der Kritik. Sein postkolonial geprägtes Programm stößt in Teilen der deutschen Kulturszene auf Ablehnung. Trotz internationaler Acts wie dem haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil hat das HKW an globaler Strahlkraft eingebüßt und gerät zunehmend an den Rand.

Die Affäre offenbart die Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck und politischer Rücksichtnahme. Wie ein Beobachter anmerkte, werde der Nahost-Konflikt jedoch kaum durch Debatten über deutsche Rapper gelöst werden.

Die Absage von Chefket und die folgenden Boykotte haben das HKW in eine prekäre Lage gebracht. Mit beschädigtem Ruf und ausbleibender bundespolitischer Unterstützung steht die Zukunft der Institution auf dem Spiel. Der Vorfall zeigt exemplarisch, wie schwer es in Deutschlands Kulturbetrieb ist, künstlerische Freiheit und politische Erwartungen in Einklang zu bringen.

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