Bahnstrecke Hamburg–Berlin: Nach monatelanger Sperrung endlich wieder offen – doch die Probleme bleiben
Bernd-Dieter RingBahnstrecke Hamburg–Berlin: Nach monatelanger Sperrung endlich wieder offen – doch die Probleme bleiben
Die Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist nach einer monatelangen Sperrung, die deutlich länger dauerte als geplant, wieder in Betrieb gegangen. Ursprünglich sollte die Strecke bereits Anfang Mai 2023 wiedereröffnet werden, doch erst Mitte Juni konnten die Züge wieder rollen – zur Verärgerung von Fahrgästen und Betreibern angesichts der langwierigen Einschränkungen.
Seit Anfang August 2022 war die Verbindung für den Fern-, Regional- und Güterverkehr komplett gesperrt. Während der Bauarbeiten wurden Fernzüge über Stendal und Uelzen umgeleitet, während Regionalreisende monatelang auf Schienenersatzverkehr mit Bussen angewiesen waren.
Das Projekt litt unter wiederholten Rückschlägen. Strenger Frost im Januar und Februar 2023 führte zu erheblichen Verzögerungen und verschob die Wiedereröffnung um sechs Wochen. Auch die Kosten explodierten: Statt der ursprünglich veranschlagten 2,2 Milliarden Euro beliefen sie sich am Ende auf 2,7 Milliarden. Ein Puffer von rund 300 Millionen Euro wurde vollständig aufgebraucht, um die Mehrkosten zu decken.
Kritik an der Vorgehensweise bei Großsanierungen wird immer lauter. Befürchtet werden vor allem überlange Sperrzeiten und ausufernde Budgets. Selbst nach der Wiedereröffnung gab es weiterhin Probleme: Aufzüge fielen aus, Züge fuhren nicht nach Plan, und das neue europäische Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) konnte nicht installiert werden. Das bedeutet, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine weitere großangelegte Sperrung nötig sein wird.
Die Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin kostete letztlich 500 Millionen Euro mehr als veranschlagt und dauerte Monate länger als vorgesehen. Fahrgäste und Güterverkehr müssen sich nun auf weitere Einschränkungen in den kommenden Jahren einstellen, um die noch ausstehenden Aufrüstungen abzuschließen.
