ARD verlängert Tagesschau auf 30 Minuten – kann das die Quoten retten?
Antonio KlotzARD verlängert Tagesschau auf 30 Minuten – kann das die Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Tagesschau, um Zuschauer zurückzugewinnen und das Vertrauen in Nachrichten zu stärken. Die Hauptnachrichtensendung wird künftig 30 statt der üblichen 15 Minuten dauern – beginnend mit der Montagabendausgabe um 20:15 Uhr. Der Schritt folgt auf Jahre sinkender Einschaltquoten: Seit 2021 ist die Zuschauerzahl von 7,5 auf 5,8 Millionen gefallen.
Das erweiterte Format soll harte Nachrichten mit alltagsnahen Perspektiven verbinden. Die Macher hoffen, dass globale Ereignisse so persönlicher und relevanter für das Publikum wirken. Die Idee stammt von Jörg Schönenborn, dem WDR-Direktor für Information, Fiction und Unterhaltung. Er argumentiert, dass die Verknüpfung von Weltgeschehen mit persönlichen Erfahrungen die Nachrichten anziehender machen könnte. Interne ARD-Tests 2024 zeigten eine 15-prozentige Steigerung der Zuschauerzahlen bei einer 30-minütigen Tagesschau – ein Hinweis darauf, dass das längere Format den Negativtrend umkehren könnte.
Kritiker jedoch hinterfragen die Strategie. Die Süddeutsche Zeitung-Journalistin Aurelie von Blazekovic bezweifelt, ob die Suche nach "Alltagsrelevanz" den Journalismus verbessert. Anna Mayr von der Zeit betont, dass es auf Qualität und nicht auf Länge ankomme. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, warnt, 15 Minuten reichten für Nachrichten aus – eine Verlängerung könnte das ARD-Abendprogramm durcheinanderbringen.
Der Quotenrückgang ist stetig: Jährlich gingen 5 bis 8 Prozent der Zuschauer verloren. Streaming-Dienste und eine überalterte Zielgruppe haben viele abgewandert lassen. Dennoch ziehen längere Formate wie die Tagesthemen noch 2 bis 3 Millionen Zuschauer an – ein mögliches Indiz für das Potenzial des neuen Konzepts.
Das ARD-Experiment startet mit der Montagsausgabe und soll den jahrelangen Quotenverfall stoppen. Bei Erfolg könnte die 30-minütige Tagesschau dauerhaft bleiben. Die Probe wird zeigen, ob eine Mischung aus harten Nachrichten und nahbaren Geschichten Zuschauer – und Vertrauen – in die klassischen Medien zurückholt.






