AfD nutzt Berliner Messerangriffe als Wahlkampfthema – doch die Daten lügen nicht immer
Bert HenschelAfD nutzt Berliner Messerangriffe als Wahlkampfthema – doch die Daten lügen nicht immer
Die Berliner Landesverbände der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) rücken Messerangriffe in den Fokus der Wahlkampfdebatten. Die Partei veröffentlichte eine neue Übersicht zu polizeilich erfassten Vorfällen und wirbt damit für mehr Transparenz. Kritiker werfen der AfD jedoch vor, die Daten nicht zur Bekämpfung von Kriminalität, sondern zur Spaltung der Gesellschaft zu nutzen.
Laut Berliner Polizei gab es 2024 insgesamt 3.412 Messerangriffe – ein Anstieg um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit einer neu eingeführten "Messer-App" zeigt die AfD diese Vorfälle auf einer Karte an, inklusive Tatorte, Verletzungen und gemeldete Fälle. Unklar bleibt jedoch, wie viele der 1.906 ermittelten Tatverdächtigen tatsächlich angeklagt, verurteilt oder rechtlich belangt wurden, da hierzu keine offiziellen Statistiken vorliegen.
Die AfD argumentiert, dass ein Abgleich zwischen Polizeiberichten und der offiziellen Kriminalstatistik eine "beunruhigende Lücke" offenbare. Die Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker wirft der Berliner Regierungskoalition vor, Informationen zurückzuhalten – insbesondere zu den Nationalitäten der Tatverdächtigen. Anders als die meisten Bundesländer veröffentlicht Berlin diese Daten nicht, was die AfD dringend ändern will.
Doch nicht nur Messerangriffe bereiten Sorgen: Auch Waffengewalt hat zugenommen, mit einem Anstieg von 68 Prozent bei Schusswaffendelikten im Jahr 2025. Die Linke kritisiert scharf, die AfD schüre mit ihrer Kampagne Ängste und stelle Migranten pauschal unter Generalverdacht.
Brinker hält dagegen, dass Druck auf die Koalition notwendig sei. Die Partei besteht darauf, dass mehr Daten – insbesondere zu den Hintergründen der Tatverdächtigen – das öffentliche Verständnis für das Problem verbessern würden.
Mit ihrer Initiative hat die AfD das Thema Messerangriffe vor den Wahlen in den Mittelpunkt gerückt. Während die Partei mehr Transparenz fordert, warnen Gegner, ihre Methoden könnten die gesellschaftliche Spaltung vertiefen. Zentrale Fragen – etwa wie viele Angriffe tatsächlich zu Verurteilungen führen – bleiben indes in den offiziellen Aufzeichnungen unbeantwortet.






