AfD holt Rekordwert in Kaiserslautern – wie die Protestwahl die SPD erschüttert
Stilla SagerAfD holt Rekordwert in Kaiserslautern – wie die Protestwahl die SPD erschüttert
Die rechtspopulistische AfD hat in Kaiserslautern deutliche Zugewinne erzielt und bei der Sonntagswahl 26 Prozent der Zweitstimmen geholt. Das bedeutet einen Anstieg von fast 15 Prozentpunkten seit 2021 und ist das beste Ergebnis der Partei in Rheinland-Pfalz. Das Resultat spiegelt wachsende Unzufriedenheit in einer Stadt wider, die einst von der SPD dominiert wurde, nun aber mit wirtschaftlichen Problemen kämpft.
Kaiserslautern galt lange als SPD-Hochburg, in der seit den 1950er-Jahren bei fast jeder Wahl sozialdemokratische Direktkandidaten gewählt wurden. Doch diesmal konnte sich Andreas Rahm von der SPD nur knapp gegen den AfD-Kandidaten Tom Kotzian durchsetzen. Im Arbeiterviertel Grübental holte Kotzian sogar 36 Prozent der Erststimmen – zehn Punkte vor der SPD.
Der wirtschaftliche Niedergang der Stadt hat die Wut der Wähler geschürt. Die Arbeitslosigkeit lag im Juli 2025 bei 9,5 Prozent, deutlich über dem Bundesschnitt von 6,3 Prozent. Der gescheiterte Bau des ACC-Batteriewerks 2025 und der Rückgang traditioneller Industrien haben viele Stadtteile wie Grübental in die Krise gestürzt. Bei der Kommunalwahl 2026 sank die Wahlbeteiligung auf 52 Prozent – nach 61 Prozent 2021 – während die Verärgerung über Jobverluste wuchs.
Der Erfolg der AfD hängt nicht allein mit der wirtschaftlichen Not zusammen. Die Partei investiert gezielt Geld und Ressourcen in die Region und plant, bis 2029 in jedem Wahlkreis leere Kneipen anzumieten. Diese sollen als Mischung aus Parteibüros und Veranstaltungsorten dienen und die lokale Präsenz stärken. Die Strategie zeigt Wirkung: Schon 2021 war Kaiserslautern eine von nur zwei Städten – neben Gelsenkirchen –, in denen die AfD bei der Bundestagswahl stärkste Kraft wurde.
Nun stellt die AfD in Kaiserslautern erstmals die stärkste Kraft bei den Zweitstimmen – ein Novum für Rheinland-Pfalz. Die SPD hat massiv an Unterstützung verloren, während die Grünen leichte Zugewinne verzeichneten. Angesichts anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit deutet die räumliche Expansion der Partei darauf hin, dass ihr Einfluss weiter wachsen könnte.






